Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, hier im Blog nur über fotografische Themen zu berichten. Als regelmäßiger Besucher von Konzerten und anderen alternativen Kulturveranstaltungen, die ich regelmäßig mittels meiner Kamera begleite und auf dieser Plattform dokumentiere, beschäftigt mich ein Thema zunehmend. Deshalb möchte ich ein paar Sätze dazu verlieren: das Club- und Kneipensterben in Aachen. Die Schreckensmeldungen reißen nämlich leider nicht ab.

Nach der Schließung des 1957 gegründeten Malteserkellers, einem Jazzclub im Herzen der Stadt, der wegen Beschwerden von AnwohnerInnen dicht machen musste, da ein für die Erfüllung der Auflagen notwendiger Schallschutz für den kleinen Betreiberverein nicht finanzierbar war, ging es dem im Jahre 1982 gegründeten Hauptquartier in der Promenadenstraße ans Leder. Die Gründe waren Anfangs ähnlicher Natur: die Stadt Aachen hatte dem Betreiber den Konzertbetrieb – auf Grunde von AnwohnerInnen-Beschwerden, die die Lautstärke beklagten –  wegen mangelndem Schallschutz untersagt. Später geriet die Kultkneipe in finanzielle Schieflage, was letztlich zum Aus führte, jedoch nicht nur dem Umstand des vorübergehenden Entzugs der Live Musik-Konzession geschuldet war (Danke für den deutlichen Hinweis eines Lesers, auf den ich hier nicht näher eingehen möchte).

Beschwerden über den Lautstärkepegel im Außengastronomiebereich, mit entsprechenden Auflagen durch das Ordnungsamt, machen auch dem Betreiber der im Jakobsviertel alteingesessenen Kneipe Last Exit derzeit das Leben schwer.

Doch die Liste der bedrohten Veranstaltungsorte wird länger: die Gebäude, in denen der Jakobshof (Stromgasse) und das ­Aoxomoxoa (Reihstrasse) seit etlichen Jahren beheimatet sind, werden in den nächsten Monaten Neubauten weichen müssen. Die Betreiber des Jakobshof sind auf der Suche nach einem Gebäude, um ihr Konzept an anderer Stelle fortzusetzen. Ob es im innerstädtischen Bereich, beim aktuell vorherrschenden Klima, eine Neu-Konzessionsvergabe geben wird, ist mehr als fraglich. Ebenso, ob nach der Fertigstellung des Neubaus in der Reihstrasse weiterhin Platz für das ­Aoxomoxoa sein wird.

Seit gestern machen Medienberichte über einen möglichen Verkauf der Musikbunker in der Goffart- und Junkerstraße durch die Bundesimmobilienagentur (BIMA) die Runde. Neben dem Party- und Live Musik -Veranstaltungsprogramm im Musikbunker Goffartstrasse, beherbergen beide Gebäude zahlreiche Proberäume für Bands und KünstlerInnen. Durch den Wegfall dieser beiden Gebäude, würde die Aachener Kulturszene einen weiteren massiven Einschnitt erleiden müssen.

Für mich bedeutet eine lebendige alternative Club- und Kneipenszene Lebensqualität, die ich keinesfalls missen möchte. In einer Stadt, in der nach 22 Uhr Ruhe herrschen muss, will ich nicht leben. Den zahlreichen Menschen, die gerade dabei sind sich in den sozialen Netzwerken zusammenzuschließen, geht es da wohl ganz ähnlich. Denn es regt sich Widerstand. Auf der gestern ins Leben gerufenen Facebook-Seite Musikbunker erhalten, haben sich innerhalb von rund 24 Stunden bereits mehr als 6500 Menschen zusammengefunden, um Pläne zum Erhalt zu schmieden.

Bereits vor ein paar Monaten ging die Planung zu einer Demonstration, unter dem Motto „MACHT MAL LÄRM IN DIESER STADT – für den Erhalt des FREIEN Aachener Kulturbetriebs“, los. Auch dieser Aktion kann man sich bei Facebook anschließen.

UPDATE – aus einer Pressemitteilung der Stadt Aachen: die Stadt Aachen hat den „[…]offenbar bevorstehende Verkauf der Bunker in der Goffartstraße („Musikbunker“) und der Junkerstraße […] auf die Tagesordnung des Bürgerforums am Dienstag gesetzt. […] Die Sitzung findet am kommenden Dienstag, 21. Januar, um 17 Uhr im Ratssaal des Aachener Rathauses statt. Alle Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, an der Sitzung teilzunehmen und sich gegebenenfalls mit eigenen Wortbeiträgen an der Diskussion zu beteiligen.“

Auf Twitter sind Beiträge unter dem Hash-Tag #Aachenstirbt zu finden.

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Bildquelle: besten Dank an Gabor Baksay von Moviebeta <3