Durch die Leidenschaft lebt der Mensch; durch die Vernunft existiert er bloß.

– Nicolas-Sebastien Chamfort

Der folgende Beitrag bildet den Auftakt zu meiner neuen Serie Passion & Inspiration. In Wort und Bild möchte ich Menschen vorstellen, die sich mit voller Hingabe der Ausübung einer Tätigkeit verschrieben haben. Die mit ganzer Kraft ein klares Ziel verfolgen. Passionierte Menschen sind es, die mich neugierig machen und inspirieren. Ich möchte einen Blick hinter die Kulisse werfen: was treibt sie an? Welchen Gewinn ziehen sie für sich daraus? Welche Ziele verfolgen sie? Woher nehmen sie die Kraft?

[white_box] Für die Fortsetzung dieser Serie bin ich auf der Suche nach weiteren spannenden Geschichten. Wenn du dich jetzt angesprochen fühlst und Teil dieser Reihe werden möchtest, nutze die im Kontaktbereich hinterlegten Daten und bewerbe dich bei mir. Mit einer kurzen Vorstellung – ein Foto wäre gut – und Darstellung deiner Passion.  Voraussetzung ist: du wohnst im 100 Kilometer-Umkreis von Aachen und deine Geschichte weckt mein Interesse.[/white_box]

Steffen ist einer dieser Menschen. Kennengelernt haben wir uns, als er sein Freiwilliges Soziales Jahr in der Wohneinrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung absolvierte, in der ich im Hauptjob arbeite. Nach dem er mit seinem Rennrad, in Radsportmontur gekleidet, zum Dienst erschien, weckte dies natürlich mein Interesse und wir kamen schnell auf seine sportlichen Aktivitäten zu sprechen. Vollkommen fasziniert von seiner außergewöhnlichen körperlichen Ausdauerleistungsfähigkeit und seinem schier unfassbaren Trainings- und Wettkampfpensum, musste ich diesen Mann für meine Serie vor die Kamera und ins Interview holen. Steffen lies sich auch nicht lange bitten, sondern war sofort angetan von meiner Idee. Vor gut einer Woche fuhren wir gemeinsam in die Eifel an den Rursee, wo die folgenden Aufnahmen entstanden sind. Das Interview führten wir per Email.

Weitere Informationen über Steffen, findet ihr in seinem Blog. Hier dokumentiert er Trainings- und Wettkampfberichte.

Stell dich bitte erst einmal kurz vor.

Hallo, ich heiße Steffen Willms, werde im August 24 Jahre alt, wohne in Eschweiler und bin Schüler bzw. Student. Nebenbei arbeite ich in einer großen Baumarkt-Kette als Kassierer.

serie_steffen_rursee (1 von 1)-5

Wie hast du deine Leidenschaft zum Triathlon entdeckt und wie hat sie sich entwickelt?

Es fing alles ganz harmlos an. Ich habe seit meinem dritten Lebensjahr Fußball gespielt, bis ich von meinem Arzt aufgrund von Kalkablagerungen in den Kniescheiben ausgebremst wurde. Nun, ich bin ein sehr bewegungsfreudiger Mensch und deswegen suchte ich mir was neues. Ich bekam ein Rennrad zu Weihnachten und so kam ich über den Freundeskreis zum Triathlon. Anfangs eher noch spaßorientiert entwickelte es sich schnell leistungsorientiert.

serie_steffen_rursee (1 von 1)-6

Wie lange gehst du deiner Leidenschaft bereits nach? Gab es bereits vorher eine artverwandte Vorgeschichte?

Mittlerweile betreibe ich den Sport „Triathlon“ seit 2011. Also bin ich quasi immer noch ein Neuling. Eine artverwandte Vorgeschichte gab es, wie oben erwähnt, eigentlich nicht. Fußball ist eher ein Kraftsport, wohingegen Triathlon der Ausdauersport überhaupt ist.

serie_steffen_rursee (1 von 1)-8

Wie viel Zeit & Geld investierst du?

Die Zeit ist immer relativ anzusehen. Im Winter investiere ich nicht ganz so viel Zeit ins Training wie im Frühjahr oder im Sommer. Zu dieser Jahreszeit kann es schon mal auf 15-18 Stunden Training pro Woche kommen. Über Geld im allgemeinem spricht man ja eigentlich nicht – aber jeder kann sich ausrechnen, das Triathlon ein sehr kostenintensiver Sport ist, da man ja ein Zeitfahrrad, mindestens ein paar Laufschuhe und Schwimmbrille sowie Kleidung braucht.

serie_steffen_rursee (1 von 1)-4

Welchen persönlichen Gewinn ziehst du aus der Ausübung deiner Leidenschaft? In welchen Bereichen und Ebenen deines Lebens wirkt es sich aus?

Der persönliche Gewinn liegt bei mir persönlich darin, dass ich relativ gesund lebe. Ich bin ein absoluter Nichtraucher und auch Alkohol gibt es während der Saison (März bis September) nicht. Ansonsten merke ich, dass ich durch den Sport im Allgemeinen sehr ehrgeizig bin. Dies wirkt sich natürlich auch auf meine Zeit als Schüler bzw. Student aus.

serie_steffen_rursee (1 von 1)-9

Nimmst du für dein Training und deine Wettkämpfe Nachteile in anderen Lebensbereichen in kauf und inwieweit bist du bereit ein (gesundheitliches oder finanzielles) Risiko einzugehen?

Ein finanzielles Risiko wäre ich nicht bereit einzugehen. Man darf, bei aller Motivation und Ehrgeiz nicht vergessen, dass die meisten dies nur als Hobby machen und damit kein Geld verdienen. Ein gesundheitliches Risiko besteht hauptsächlich beim Radfahren, da man dort hinfallen und sich im schlimmsten Fall schwer verletzen kann.

serie_steffen_rursee (1 von 1)-3

Wie sind die Reaktionen deiner Mitmenschen (Bewunderung, Ablehung „du hast doch einen Vogel“, Unterstützung…) ?

Wenn man mal eine trainingsintensive Woche hatte, die mit +15 Std endet, bekommt man oft von Mitmenschen (Nicht-Triathleten) zu hören, dass man doch „bekloppt“ ist und so weiter. Anderseits, wenn man einen großen Triathlon gefinished hat, ist die Bewunderung unter Freunden schon groß und macht einen natürlich auch stolz.

serie_steffen_rursee (1 von 1)-12

Dein schönstes Erlebnis während der Ausübung?

Mein schönstes Erlebnis während eines Triathlons, war bislang das Finish beim Bayer Triathlon in Krefeld. Dies war einfach ein perfekter Tag. Ich kam als zweiter aus dem Wasser und verlor dann einige Plätze auf dem Rad. Zum laufen konnte ich dann wieder aufdrehen und konnte damals den 7.ten Platz in der Landesliga erreichen.

serie_steffen_rursee (1 von 1)-13

Dein schlimmstes Erlebnis während der Ausübung?

Mein schlimmstes Erlebnis war beim Triathlon in Voerde voriges Jahr. Wieder kam ich als zweiter aus dem Wasser. Es war kalt und es regnete. Ich stieg aufs Rad und bekam nach ca. 1km eine Windböe ins Vorderrad. Ich fiel hin und rutschte mehrere Meter über die Straße. Leider konnte ich den Triathlon aufgrund eines technischen Defekts am Rad nicht zu Ende bringen.

serie_steffen_rursee (1 von 1)-14

„Hobby zum Beruf machen“: Hast du darüber nachgedacht, mit deiner Leidenschaft Geld zu verdienen oder tust es bereits?

Klar ist es von jedem Sportler ein Traum mit seinem Hobby Geld zu verdienen. Triathlon ist allerdings eine Randsportart, in der selbst die Profis selten genügend Geld verdienen, um allein von der Ausübung leben zu können. Außerdem bin ich noch so „neu“ in dem Sport, dass ich auch leider nicht gut genug dafür bin 😉

serie_steffen_rursee (1 von 1)-15

Siehst du in der Professionalisierung Risiken? Beispielsweise den Verlust an Spaß & Freiheitsgefühl durch den Zwang, damit deinen Lebensunterhalt bestreiten zu müssen?

Auf jeden Fall. Nicht der Verlust an Spaß oder Freiheitsgefühl sondern die Angst um die Existenz. Man muss als Profi Leistung bringen, sonst werden Sponsoren unzufrieden und man bekommt kein Preisgeld. Anderseits bieten einem dadurch natürlich neue Möglichkeiten, da man viel Reisen kann um Trainingslager zu besuchen o.ä..

serie_steffen_rursee (1 von 1)-16

In welchen Lebensbereichen bist du deiner Meinung nach talentfrei?

Ich kann überhaupt nicht malen oder zeichnen :-D. Ob das ein Lebensbereich ist, weiß ich nicht, aber das ist etwas, was ich wirklich überhaupt nicht kann.

serie_steffen_rursee (1 von 1)-7

Gibt es Ziele, die du dir gesteckt hast? Was möchtest du in nächster Zeit und in der weiteren Zukunft erreichen?

Ein Ziel ist es natürlich irgendwann mal einen Ironman (3,8km Schwimmen, 180km Radfahren, 42,2km laufen) zu finishen. Aber bis dahin wird noch etwas Zeit und viele Trainingsstunden vergehen 😉

serie_steffen_rursee (1 von 1)-17

Gibt es etwas, was du gerne noch erzählen möchtest? Stell dir selber eine Frage.

Ich möchte hier mal all meinen Freunden und meiner Familie danken. Ich weiß, dass mein Sport nicht einfach und sehr zeitaufwendig ist. Ich danke euch für eure Unterstützung !!

serie_steffen_rursee (1 von 1)

Was treibt dich an, deiner Leidenschaft nachzugehen?

Das Ziel, immer schneller und besser zu werden. Ich bin noch jung, kann mich gut weiter entwickeln, muss dafür aber an mir arbeiten. Das werde ich den kommenden Jahren tun und dann sehen wir, wohin mich der Weg führen wird.

serie_steffen_rursee (1 von 1)-10

Hast du Vorbilder oder Helden? Menschen oder Dinge die dich inspirieren?

Vorbilder sind mit Sicherheit Jan Frodeno und Faris Al-Sultan. Mit der Gelassenheit und Coolness wie diese zwei Profis diesen Sport betreiben ist bewundernswert.

serie_steffen_rursee (1 von 1)-11

Wer aus deinem näheren Umfeld inspiriert dich? Wen würdest du gerne in dieser Serie sehen?

Aus dem näheren Umfeld sind das aufjedenfall die Teamkollegen vom Brander SV Tri Team. Wir motivieren uns gegenseitig, auch wenn jemand mal ein persönliches Tief hat oder holen uns auch wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, damit wir nicht abheben 😉